Autor Ulrich Dittmar

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Ulrich Dittmar

Es waren immer Träume die mich bewegt haben, die mich verändert haben. Manchmal waren diese Träume ganz schön böse und es ist mein Traum, etwas zu bewegen. Wenn nicht die Welt, so doch hin und wieder einen Einzelnen. Themen sind die Grenzpfeiler des Lebens, entlang der Linie zwischen Traum-Wunsch-Angst und nackter Selbstbehauptung in Kurzgeschichten - fein ironisch bis surrealistisch, freier Lyrik - meist ungebunden und Liedtexten.

 

Neuerscheinung 2010

Buch

Ab September wird mein Buch auf dem Markt sein:
Der Ferne so nah. ISBN 978-3-939256-00-7
23 Kurzgeschichten und Texte von Ulrich Dittmar, anno-verlag, Rheinberg

Hör- und Sehproben:
> Fast das ganze Leben
> Morgens
> Walle von Mall

> Interview – Westmünsterland TV

   
Buch

Ausgezeichnet in der Anthologie Chilli für die Venus (30 Gedichte zum Thema Liebe) mit dem Gedicht Erinnerungen, Wunderwaldverlag, 2011 Erlangen

   
Buch

Vertreten in der Anthologie Krimineller Ruhrpott, 17 Autoren – 17 Kriminalgeschichten aus dem Ruhrpott, Seschat-Verlag, 2010 Oer-Erkenschwick

 

 


 

Presse

Artikel über Ulrich Dittmar aus der Presse:

Dokument: JPG "Lektüre für das Zwischendurch" (Recklinghäuser Zeitung vom 20.07.2011)

Dokument: JPG "Lesung von Ulricht Dittmar gut besucht " (Billerbecker Anzeiger vom 23.11.2010)

Dokument: PDF "Lesegenuss" (WAZ vom 04.11.2010)

Dokument: JPG "Ein Hang zum Skurrilen " (RZ vom 24.09.2010)

Dokument: PDF "Edelfeder" (Stadtspiegel)

 

 

Vita

Ulrich Dittmar, geb. 1955 (Milupa-Generation) in Gelsenkirchen-Buer. Ausbildung zum Chemiefascharbeiter auf der Scholven-Chemie, Fachhochschulreife in Gelsenkirchen, Studium der Sozialarbeit an der Universität/GH- Essen.
Nach beruflichen Tätigkeiten in den Arbeitsbereichen offene Jugendarbeit, Drogenberatung, alleinstehende Wohnungslose, Ausbildungsgemeinschaft, offene Altenarbeit, Seniorenheim und Wohnheim für psychisch erkrankte arbeitet er heute in der Selbsthilfe-Kontaktstelle für den Kreis Recklinghausen.

Uli D. schreibt seit 27 Jahren deutschsprachige Prosa und Lyrik und ist Mitbegründer, Auchtexter und Bassist der Rock’n Skiffel-Folk-Pop-Blues Combo „The Flying Avocados“ (ehem. Gnä’ Frau).

Erfahrungen aus dem Beruf als Sozialarbeiter, ironische Selbsterkenntnisse und immer wieder Beziehungen bilden die Substanz seiner Texte. Häufig entpuppen sich Beziehungsgeschichten als Spiegel, in dem sich der Protagonist ganz überraschend wiedererkennt oder sich selbst entlarvt. Weil Literatur nicht nur zum Lesen, sondern auch zum hören geeignet ist, trägt er seine auch vor. Die Texte aus eigener Werkstatt erzählen von Krisensituationen, betrachtet aus einem ironischen oder fein-zynischen Blickwinkel, finden meist ein überraschendes Ende. Seine Gedichte, meist in freier Lyrik verfasst, die manchmal episch, oder surreal, bisweilen symbolisch geprägt und/oder wortwitzig komponiert sind, greifen Situationen aus größeren Abläufen und erstellen Momentaufnahmen, gewissermaßen textliche Makroaufnahmen, deren Ende oft offen bleibt und den Leser/Hörer animieren mitzuphantasieren.
Der Leser/Hörer ist eingeladen entspannt zu lauschen, zu lachen, nachzuempfinden und den Schluss eines offenen Endes in eigner Optionen zum Ende zu bringen.

U.D. ist Mitinitiator und Mitglied der vestischen Autorengruppe „Die Tram“.

In Folge von 2001-2007, jedes Jahr aufs Neue, für die Literatur-Eule in Recklinghausen nominiert wurde er 2008 schließlich mit ihr ausgezeichnet. Schon im Jahre 2006 war er ein Preisträger des Kunstpreises „Poesie im Wind“ von Bad Zwischenahn.

Leseprogramme an ungewöhnlichen Orten (im Friseur-Salon, in der Werkhalle einer Kistenfabrik, einer Großgärtnerei und einer Kirche) mit befreundeten Autoren sorgen seit 2007 für Begeisterung bei den Zuhörern.

Veröffentlichungen:
1985: Sonderheft der Drogenberatung Wesel – Metamorphose (modernes Märchen)
1986: Kalender der Tuschezeichnungen, Sprüche, Aphorismen
1989: Kirche und Leben (Kirchenzeitung) – Von der Wärme (Kurzgeschichte)
2001-2008: Broschüren zu Recklinghäuser Autorennächten (Kurzgeschichten u. Lyrik)
2005: Festschrift der Sparkasse Vest z. 150 Jahren – Schade, sagt Sabine (Kurzgeschichte)
2006: UHU, Straßenmagazin – Unter dem gelben Doppelbogen (Kurzgeschichte)
2006: Festschrift Kunstpreis Bad Zwischenarn – Wechselnde Winde (Lyrik)
2008: Salbader, Literaturzeitung (Berlin) – Walle von Malle (Kurzprosa)
(2010 voraussichtlich) Jahresband Bibliothek deutschsprachiger Gedichte - Brücke

 

Textauswahl

Spur, Halt und Fessel

Theseus war es,
den sie an die Leine legte
den Roten Faden gab sie ihm
verschlungenem Pfade folgend
führt er zu ihr
dem Umweg nach
Ariadne! Schöne!

Doch Götter spielen
mit und spielen
anders und gemein
Dionysos - Trunkenbold
bestand auf ihr
und Götterwille ist
dem Heldenwille Pflicht
Getrennt!

Der rote Faden ging verlor’n
im Dreck des Weges
danach war es reine Illusion
und vorgemacht, versteckt,
getäuscht, getarnt
Die eigene Lüge glatt geglaubt
und glattgeglaubt

Die Erste ist noch nicht vergessen
Gedenksteinphantasie
Die Dritte war die Schwester
die Zweite einfach fortgesetzt
weil leider starb was er nicht haben durfte

 

Vor-Bei

Er/Sie spricht was
Sie/Er denkt dass
Er/Sie glaubt was
Sie/Er hören will
und
Er/Sie denkt dass
ist erfülltes Leben

 

Schrecken der Bedeutung

Ich hatte ihn schon lange nicht mehr gesehen, nicht erlebt und fast vergessen. Aber ich kannte ihn noch, erkannte ihn sofort wieder und er kam zu mir wie ein guter alter Bekannter. Ich wusste, er stammte aus meiner Jugend, wusste, wann ich ihn zum ersten Mal geträumt hatte, wann ich mich zum ersten Mal daran erinnert hatte, ihn geträumt zu haben, diesen Traum.
Ich sehe mich selbst natürlich nicht, denn ich bin ja der Träumer und kann alles nur mit dessen Augen sehen, wie ich einen Fuß vor den anderen setze, mich abstoße und wie die dunkle Landschaft im Kreis an mir vorbeirauscht. Ich weiß nicht, wie alt ich bin, denn die Gedanken des Träumers befassten sich nie mit dieser Frage. Doch da ich diesen Traum immer wieder einmal träumte, hatte ich nie das Gefühl meine ursprüngliche Jugend verloren zu haben. Darum war die Frage immer ohne jede Bedeutung.
Der Schnee lag hoch und die Luft war frostig. Der frühe Abend schickte sein, durch den Schnee tausendfach reflektiertes, helles Abendrot den Mädchen voraus, die ihre Schlittschuhe geschultert hatten und kamen, um mich zum Schlittschuhfahren abzuholen. Sie lachten, flüsterten hinter vorgehaltener Hand und kicherten, als ich mich unentschlossen zeigte.
Ich war noch nie auf Schlittschuhen gelaufen.
„Komm!“, sagte die Erste: „Wir sind verabredet.“
Ihr Lächeln war betörend und der Tonfall fordernd. Ich konnte mich ihr kaum entziehen. Aber da war diese Angst vor den Kufen der Schlittschuhe, die ich den Mädchen gegenüber aber niemals zugeben konnte. Ich fürchtete dieses blanke Metall wie scharfe Messer. Die blitzartige Vision: Ich stürze, strecke Arme, strecke Finger. Ein zischendes Geräusch, das Aufblitzen des Stahls und dann meine Finger, die rollen, einen roten Faden hinter sich herziehend, über das Eis.
Aber ich habe es den Mädchen nicht gesagt und stellte mich dumm. „Oho! - Wieso sind wir verabredet. Ich habe ...“
Ein rhythmischer Dreiklang unterbrach mich: „Du - hast - es - ver - spro - chen.“
Ich will mich gar nicht so recht erinnern. Verschmitzt lächelnd setze ich zur Frage an, um die anstehende Entscheidung aufzuschieben. „Wann sollte ich...“
Auch diese Frage findet ein unausgesprochenes Ende. Die drei Grazien antworten gleichzeitig: „Gestern!“ „Vorgestern!“ „Vorvorgestern!“, jede mit einer anderen Erinnerung.
Ich suchte nach einer passablen Ausrede, ohne die Mädchen zu enttäuschen, ihnen weiterhin zu gefallen, allen dreien. Keine verlieren.
„Ja, ja! Mag schon sein. Vielleicht habe ich zugesagt. Aber es geht nicht. Ich habe ja ... ich habe ja gar keine Schlittschuhe. Lasst uns lieber eine Pizza essen gehen oder ins ‚Angie’, da ist heute Tanz.“
Auch mein Lächeln überzeugte nicht. Die Zweite kam auf mich zu, schob mir sanft eine Haarsträhne aus den Augen, streichelte meine Wange mit einem Finger und sagte: „Sieh her, ich habe dir welche mitgebracht. Die sind von meinem Vater und werden dir passen.“ Ihr streichelnder Finger war der Zauberstab und ihre Worte waren ein Hexensspruch. Sie trug tatsächlich ein zweites Paar Schlittschuhe an den Senkeln über die Schulter gehängt. Es war das wieder auftauchende Bild abgeschnittener Finger, die über eine weiße Eisfläche rollten und Spuren wie rote Fäden darauf hinterließen, das mich entzauberte.
Noch ein Versuch.
„Gut! Ich habe es versprochen, und Versprechen muss man halten. Und ich werde das auch tun. Aber Mädels, schaut, wie dunkel es schon ist. Im Winter kommt der Abend eher und die Nacht früher, aber auch der Morgen. Lasst uns morgen gehen. Heute lade ich euch ein. Ich werde Tee für alle kochen mit Rum und Kandis. So macht Kälte mehr Spaß. Kommt!“
Ich drehte mich um, um voranzugehen, als mich die Arme der Dritten von hinten umschlangen. Ihr Atem streifte mein Ohr und ihre Worte waren wie Küsse in meinen Nacken: „Weißt du, um wie viel schöner es sich zusammen kuschelt bei Tee mit Rum, wenn man vorher in der Kälte war, wenn das Gesicht vom Frost gespannt ist und Eiskristalle vom gefrorenen Atem auf dem Gesicht glitzern. Lass es uns tun! Erst fahren wir Schlittschuh, dann tun wir es zusammen. Alle Vier!“
Das war der Moment. Ich hatte verloren. Ich hatte gewonnen? Ich hatte gewonnen! Ich war verhext.
Dieses Versprechen ließ einfach keinen Widerspruch, keinen Widerstand mehr zu. Ich ging mit und vergaß meine Angst. Die Mädchen lachten und kicherten, hakten sich bei mir ein, wechselten sich ab. Es war, als tanzten wir fröhlich zu viert dem großen See entgegen.

Es gelang.
Die Mädchen halfen mir auf die Kufen und an der Hand jeder Einzelnen drehte ich meine Runden. Zu meiner Freude beherrschte ich das Gleiten bald.
Spaß!
Doch schnell verlor der Himmel seinen rosa Schein.
Geisterhaft schnell kam die Dunkelheit.
Endlich dachte ich, dass es Zeit sei nach Hause zu gehen.
Und erst als ich die Mädchen am Rand der Eisfläche stehen, sah begriff ich, dass ich allein war. Die Angst kam zurück und mit ihr die Einsicht, wovor ich mich fürchtete. Ich erkannte die Gefahr und erkannte sie zu spät: Sie lag nicht im Gleiten, im Fahren, das läuft wie auf Schienen. Aber dann?
Aber wie soll ich anhalten?!
Anhalten?!
Stehen bleiben ohne zu stürzen?!
Das ist es, wovor ich Angst habe. Ich drehe meine Runden und weiß nicht, wie und ob ich ein Ende finde in diesen Kreisen.
Ich will nicht stürzen, denn selbst prophezeiend weiß ich, dass ich mir die Hand, den Arm oder das Bein brechen werde.
Sicher bin ich, solange ich mich bewege, darum kann ich nicht anhalten.
Ich drehe meine Kreise.
Die Mädchen sind gegangen. Ich kann nicht mehr fragen. Sie hatten noch gewunken, hatten gelacht und gekichert. Ich muss weiter meine Runden drehen.
Schwarz liegt die Nacht über dem See. Mond und Sterne spiegeln sich im Eis und spenden spärlich Licht.
Es ist Nacht und ich bin allein. Und während ich Fuß vor Fuß setze, mich abstoße und gleite, begreife ich, erkenne ich, was ich all die Male, die ich diesen Traum träumte, nicht entdeckt habe.
Die Mädchen, - ich kenne sie.
Die Erste ist Marie, die Zweite ist Annette, die Dritte ist Christine, denen ich allen etwas geschworen hatte.
Der Traum - eine Prophezeiung - ein Blick in die Zukunft.
Ich hatte nichts verstanden.
Jetzt muss ich Runde um Runde drehen, kann kein Ende finden ohne zu stürzen.
Ich fühle den Apfel in meiner Tasche, denke an die drei Grazien und weiß, dass ich eine Entscheidung fällen muss.

ULRICH DITTMAR
*1955

ANSCHRIFT
Kirchplatz 3
45667 Recklinghausen

KONTAKT
Telefon 02361 - 5829133

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ZU DEN AUTOREN
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AUS DER PRESSE
Dokument: JPG "Fast so viele Schriftsteller 'wie auf Island'" (WAZ, November 2011)

Dokument: JPG "Chance für regionale Autoren" (R'häuser Stadtspiegel, November 2011)

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