Unsere Reise nach West Lothian im Oktober 2003

Brass Band der Musikschule Hochsauerlandkreis zu Gast in West Lothian

Schottische Brass Band-Kultur war beeindruckend



Vom 19.Oklober bis zum 26. Oktober 2003 besuchte die neu gegründete Brass Band der Musikschule Hochsauerlandkreis im Rahmen einer Konzertreise zum ersten Mal West Lothian, den schottischen Partnerkreis des Hochsauerlandkreises.
Die 35 jungen Blechbläserinnen und Blechbläser folgten einer Einladung der West Lothian Schools Brass Band.
In vielen Ländern des nordeuropäischen Raumes existiert eine langjährige Brass Band-Tradition. So gibt es zur Zeit in Schottland mehr als 300 organisierte Bands, die auf Wettbewerben und in Konzerten regelmäßig niveauvolle Originalkompositionen und Bearbeitungen zu Gehör bringen.
Der charakteristische Klang einer Brass Band entsteht durch folgende Besetzung: 1 Sopran Cornett, 2 Solo Cornette, 2 Repiano Cornette, je 3 zweite Cornette und dritte Cornette, 1 Flügelhorn, 4 Es- Hörner, 2 Baritons, 2 Euphonien, 3 Posaunen, 4 Bässe und Schlagzeug sowie Percussionsinstrumente.
In Zusammenarbeit mehrerer Schulen in West Lothian gründete sich vor einigen Jahren die West Lothian Schools Brass Band. Die Proben und der Instrumentalunterricht für die Spielerinnen und Spieler findet im Rahmen des regulären Schulunterrichts statt. Die Umsetzung dieses Konzeptes unter der musikalischen Leitung von Nigel Boddice, Dozent an der „Royal Scottish Academy of Music and Drama“ und ehemaliger Solotrompeter des BBC Rundfunkorchesters, führten dazu, daß diese Brass Band im Bereich der School Bands derzeit zur europäischen Leistungsspitze gehören.

Nach einem ruhigen Flug von Köln/Bonn nach Edinburgh wurde die Brass Band der Musikschule Hochsauerlandkreis bereits am Flughafen von den schottischen Gastgebern herzlich in Empfang genommen und anschließend zu ihrer Unterkunft geleitet. Diese, ein Jugend-Gästehaus mit dem Namen „Laetare“, eignete sich hervorragend für die Probenarbeit des Ensembles. Ein dafür besonders eingerichteter Saal stand dem Ensemble zur Verfügung.
Bereits am ersten Abend fanden sich dort Mitglieder der schottischen Brass Band ein, um in kleiner Besetzung unter der Leitung von Nigel Boddice einen Auszug aus ihrem musikalischen Programm vorzustellen. Von den technischen Fähigkeiten und dem musikalischen Zusammenspiel beeindruckt, freuten sich die Musikerinnen und Musiker aus dem Hochsauerlandkreis auf eine musikalisch erfolgreiche und spannende Woche.

Nach einer ersten Workshopprobe am Montagmorgen unter der Leitung von Nigel Boddi-ce stand die Besichtigung von Linlithgow Palace, dem Geburtsort von Mary, Queen of Scotts auf dem Programm. Der Tag ging sportlich zu Ende. Ein deutsch-schottisches Bowlingturnier diente dem Kennenlernen der Schülerinnen und Schüler untereinander.

In Glasgow hatten die Mitglieder der Brass Band der Musikschule Hochsauerlandkreis am darauffolgenden Tag die Gelegenheit, die unterschiedlichen Sparten der Ausbildung an der „Royal Scottish Academy of Music and Drama“ durch Unterrichtsbesuche kennenzu-lernen. Nigel Bodicce, der dort als Dozent und Leiter der Brass-Abteilung arbeitet, hatte diesen Besuch ermöglicht.
Abends fand in Livingston zur Vorbereitung des Konzertes am Freitag die erste Gemeinschaftsprobe mit der West Lothian Schools Brass Band statt.

Ein Höhepunkt der Reise aus touristischer Sicht war sicherlich der Besuch der schottischen Hauptstadt Edinburgh mit Besichtigung der Burg und dem Besteigen der „Discovery“ im Hafen von Dundee. Mit diesem Klipper war einst Captain Robert Falcon Scott zu seiner Entdeckungsreise zum Südpol aufgebrochen.
Den schottischen Gastgebern ist es während der gesamten Woche hervorragend gelungen, musikalische Aktivitäten, Besichtigungen und Freizeit in ein ausgewogenen Verhältnis zu bringen. Bei allen Aktivitäten war stets jemand aus den Reihen der Gastgeber als Begleiter mit von der Partie.

Der erste öffentliche Auftritt dieser Konzertreise fand am Mittwochabend in der St. John´s Church in Bathgate statt. Im Wechsel mit der Bathgate Brass Band bestritt die Brass Band der Musikschule einen 45minütigen Programmteil. Unter der wechselnden Leitung von Roman Marreck und Roland Linford (in Proben unterstützt von Maurice Vaughan und Terry Statham) spielte das Ensemble u.a. Werke von Galt McDermot, Gustav Holst, Chuck Mangione, Frank Sinatra, Derek Broadbent, Dizzy Stratford. Das spontan von beiden Brass Bands gemeinsam aufgeführte Stück „Skirl“ rundete das Programm ab. Das Publikum zeigte sich begeistert von den Vorträgen beider Gruppen.

In der Forthill-Primary-School in Dundee gewann die deutsche Brass Band schnell die Sympathien der jungen schottischen Zuhörer. An dieser Grundschule wird Deutsch als erste Fremdsprache unterrichtet, sodass die 500 Schülerinnen und Schüler nicht nur die Musik begeistert beklatschten, sondern auch den deutschen Ansagen aufmerksam lauschten.

Vor dem letzten Konzert am Freitagabend, welches gemeinsam mit der West Lothian Schools Brass Band im Forum der St. Margarets Academy in Livingston stattfand, wurde die Probenarbeit noch einmal intensiviert.
Roger Webster, Solo Cornettist und Band Leader der Black Dyke Mills Brass Band, erklärte sich spontan bereit, einen Meisterkurs zu geben. Im Konzert selbst wirkte er als Solist mit.
In dem 90minütigen Programm, welches beide Ensembles je zur Hälfte bestritten, spielte das schottische Ensemble u.a. Werke von John Williams und Queen. Von beiden Brass Bands gemeinsam vorgetragen wurden die Stücke Olympic Fanfare and Theme, Highlan-der Cathedral und Old Comrades.
Beide Gruppen genossen zum Ende der Vorträge einen lang anhaltenden und verdienten Applaus.



Bevor am Sonntagmorgen der Rückflug anstand, fand am Samstagabend auf Einladung der West Lothian Schools Brass Band eine Farewell-Party statt.
Beim Scottish Country Dance unter Anleitung einer engagierten Tanzlehrerin kam bei den jungen Musikerinnen und Musikern schnell eine ausgelassenen Stimmung auf.

Im nächsten Jahr wird das schottische Ensemble in Deutschland zu Besuch sein. Beide Brass Bands werden dann gemeinsam im Rahmen Sauerland-Herbst eine Konzertreihe gestalten. Bei der Vielzahl der ausgetauschten Adressen scheint jedoch schon jetzt sicher zu sein, dass zwischen den Mitgliedern beider Ensembles in der nächsten Zeit viele private Mails den Ärmelkanal überqueren.