Andro Eradze Flowering and Fading
Eröffnung 1. September 2025 20:00 bis 21:00
ANDRO ERADZE: FLOWERING AND FADING
Flowering and Fading, ein gut viertelstündiger Kurzfilm von Andro Eradze aus dem Jahr 2024 ist Film als pure Stimmung, Spannung, Steigerung: eine Intensivierung, ein Aufbau auf einen Höhepunkt hin, der nie kommt. Nichts geschieht hier und doch ganz viel, oder: Da ist nichts, und doch ist etwas da. Es ist das klassische Setting des Horrorfilms. Hier wird es herangezogen um als Evokation des Unheimlichen im Ungesehenen und Angedeuteten formvollendet und von fast jeglichem narrativem Ballast befreit die filmischen Mittel als solche zu feiern.
Rund um eine zentrale, scharnierartige Szene eines umgekippten Honigglases zeigt der Film einen seltsamen, ungreifbaren Traumzustand. Die Grenzen zwischen den einzelnen Akteur*innen – Menschen, Tiere, aber auch der Wind, der Wald, ein altes, knarzendes Haus, das Honigglas selbst, die Blätter, das Licht und die beunruhigenden wehenden Töne sowie all die anderen filmischen Mittel – lösen sich auf und fließen hinüber in ein schwebendes Zwischenreich, in dem es keine Rolle mehr spielt, ob die Dinge am Boden stehen oder durch die Luft fliegen.
Mit langsamen, „morphenden“ Veränderungen gelingt es Andro Eradzes dabei, das Unbelebte zu verlebendigen. Das Tote zum Leben zu erwecken, ist letztlich nicht nur die Spezialität des Horrorfilms, dessen Logik des Suspense Flowering and Fading bis zu einer stilisiert ausgestellten Perfektion treibt, sondern der erhabenen Illusionsmaschine Kino im Ganzen.
BIO:
Andro Eradze lebt und arbeitet in Tiflis/Georgien. Seine künstlerischen Arbeiten und Filme waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen und wurden auf Filmfestivals gezeigt, darunter etwa im New Museum, New York, USA (2021), auf der 59. Biennale von Venedig, Italien (2022), der 22. Sesc_Videobrasil Biennial, São Paulo, Brasilien, der 14. Kaunas Biennial, Kaunas, Litauen (alle 2023), bei SpazioA, Pistoia, auf der Artissima in Turin, der 9. Biennale Gherdëina, Val Gardena, alle Italien, sowie im Haus der Kulturen der Welt, Berlin, Deutschland (alle 2024), oder im MoMA PS1, New York, sowie auf dem International Film Festival Rotterdam, Niederlande (beide 2025). 2023 absolvierte er das Residency-Programm des WIELS in Brüssel.