Mentale Landschaften

Vernissage im ESSZIMMER – Raum für Kunst+, Bonn

Samstag: 12. August 2023, 17-20h

Fur das Ausstellungsprojekt Becoming Landscape hat die Kunstlerin und Kuratorin Anna Viola Hallberg aus Stockholm/SE, Kunstler*innen eingeladen, mit denen sie in den letzten zwei Jahren eng zusammengearbeitet hat. – Der Titel bezieht sich auf mentale Landschaften und darauf, wie wir als Kunstlerinnen weiterhin arbeiten und Plattformen schaffen, auf denen wir die verschiedenen Systeme, denen wir angehören, uberdenken können.

eingeladenen Künstler*innen:
Ami Skånberg/SEOona Hyland/IRPatrik Qvist/SEAnastasia Zhikhartseva/SE/RUThierry Mortier/SE/BE

Zwischen 2020–2022 teilten und erkundeten einhundert Kunstler*innen mit mir einen Ort im Stockholmer Archipel (Björkö Konstnod, BKN). Der zu einem transformativen, dynamischen Raum fur Kunst wurde, der sich mit Leben und Natur auseinandersetzt:
…ein Raum fur die Entwicklung gemeinschaftlicher und poetischer Untersuchungen, der versucht, Möglichkeiten jenseits von Gewalt, Algorithmen, Engstirnigkeit und Unterdruckung durch den Blick auf Asymmetrien zu erkunden und zu interpretieren. – Dadurch haben wir die oftmals mit Kunstlerresidenzen verbundene Art und Weise einer Produktions-Effizienz unterlaufen und damit verändert.

Wir haben ein neues Bezugssystem erarbeitet, das auf Pflegestrategien (care strategies) basiert, Möglichkeiten des Teilens als starken und großzugigen Akt entfaltet und durch diesen Akt ein Gefuge – eine Landschaft – schafft, zu deren Teil wir alle geworden sind.

Die ausgewählten Werke fur die Einzelausstellung im ESSZIMMER – Raum fur Kunst+ entstehen auf einer Metaebene, die als Tore oder Schwellen zwischen oder innerhalb von Systemen wahrgenommen werden können. Der Diskurs, der gelegentlich spezifische geopolitische Referenzen beinhaltet, initiiert einen Prozess, in dem eine Neuerzählung stattfinden kann. Dadurch öffnet sich ein gemeinsamer reflektiver Raum. So wie möglicherweise die dazwischen liegenden Geschichten neue Handlungsfähigkeit hervorbringen, während das wieder-/ent-/un- erzeugen von Schwachstellen eine Diskussion einleitet uber den Wunsch nach Verbundenheit und die Art und Weise, wie man Widerstand
orchestriert und die Frage stellt, welche Wertesysteme wir bedienen.

Kunst wird so zu einem Ort fur Elastizität, fur kritische Dialoge, fur Zweifel, fur Versuche einen Sinn fur Richtung oder Rhythmus wiederherzustellen, um sich zu lösen/zu lösen/wieder zu lösen.

Das Ausstellungsprojekt Becoming Landscape eröffnet unsere neue Ausstellungssaison, die sich mit den mannigfaltigen Veränderungen und Verwerfungen, mit denen unsere Gesellschaften konfrontiert sind und die immer wieder ein neu-ausrichten von Strategien und Handeln notwendig machen, beschäftigt. Wir werden in den kommenden Ausstellungsprojekten und Begleitprogrammen (2023 – 2024) genau dies thematisieren. Der Begriff der Stunde in diesem Zusammenhang ist Resilienz. – Aber wie werden wir resilient?

DAS ESSZIMMER ist davon uberzeugt, dass nur das sich Einlassen auf das Unbekannte, nicht Vorhersehbare, dabei helfen kann in Möglichkeiten und nicht in Problemen zu denken und dadurch alternative Modi des Handelns und Interagierens zu entwickeln.

Die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Kunst, deren Methoden und Denkweisen stellt Konzepte bereit, um in der Leere, dem ständigen Wandel und dem Fehlen stabiler Bezugssysteme zu agieren. – Kunstler:innen sind daher die idealen Wegfuhrer in diesen Prozessen, da sie sich tagtäglich auf unbekanntem Terrain bewegen und gewohnt sind Entscheidungen zu treffen in unsicheren Zeiten.

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